Köln Hauptbahnhof. Nach 1 1/2 Tagen GamesCom klettere ich in den IC (leider ohne E). Meine Platzreservierung ist in Wagen 258. Als Gewohnheits-ICE-Fahrer erwarte ich jetzt natürlich einen Zug mit mindestens 258 Wagen, is' klar;). Da der Wagenstandsanzeiger selbstverständlich nicht in fussläufiger Nähe des Treppenaufgangs ist, von dem aus ich an den Bahnsteig komme, steige ich recht ziellos in irgendeinen Wagon ein. Nur um mich dann im Zeitlupentempo durch zu enge Gänge von Wagon zu Wagon zu schleichen. Mit Rucksack auf dem Rücken und Trolley in der Hand und jeweils mindestens 15 Leuten vor und hinter mir. Wie gut, dass ich meine Klaustrophobie nicht mitgenommen hab.
Natürlich ist mein reservierter Platz besetzt. Da die gute Dame aber noch mehr Gepäck dabei hat, als ich und mir vor der Stalperei bei dem wenigen Platz graut, zu der es zweifelsohne käme, wenn ich sie bitten würde aufzustehen, halt ich die Klappe und stell mich zwischen die Abteile. Was bei ICs heißt: vor die Toilette und mangels gepflegtem ICE Teppichboden auch ohne un-eklige Sitzgelegenheit in Reichweite. Ich bin leicht angesäuert. Zu ziemlich gleichen Teilen wegen der Platzdiebin als auch wegen meiner übertriebenen Höflichkeit oder seien wir ehrlich: Mangel an Tendenz mal auf dicke Hose, äh Bluse, zu machen und einfach meinen Platz einzunehmen.
Leise vor mich hin brodelnd fahren wir den ersten Zwischenhalt an. Es werden 2 der drei Plätze frei, die "meinem" Platz direkt gegenüber sind. Zaghaft schleiche ich mich an, um mir den Platz zu nehmen, der noch einen freien Platz zwischen mir und meiner zukünftigen Sitznachbarin lässt. Sie spricht mich an: "der ist glaub ich reserviert aber der hier direkt neben mir ist frei. [10 Sekunden Pause] Vermutlich." "Vermutlich ist besser als gar nichts." antworte ich, gebe ihr mein bestes "wir kennen uns nicht aber ich unterhalte mich hier mit Ihnen total relaxt"-Lächeln und habe fortan eine Sitzgelegenheit. Schön. Ab und an werfe ich für meine Verhältnisse grenzgiftige Blicke gen meines eigentlichen Sitzplatzes und der Sitzdiebin aber hey, sie denkt wahrscheinlich mich, den eigentlich Platzreservisten, gibt's nicht. Jedenfalls nicht in diesem Zug. Wie soll sie's wissen, dass ich "an Bord" bin, ich hab mich ja nicht bemerkbar gemacht.
Ich kühle mich gedanklich also recht zackig ab und beginne mit meinem normalen Zugmodus: mp3 Player (bzw inzwischen natürlich Smartphone;)) auf die Ohren und erfolglose Schlafversuche, sowie teils gelangweiltes, teils landschaftbewunderndes aus dem Fenster blicken.
Dumm nur, dass der Handy Akku jetzt leer ist.
Dumm auch, das die Fahrt noch weitere 2 Stunden dauert.
Für den Rest der Fahrt bin ich also auf Schlafversuche und zielloses aus dem Fenster starren reduziert.
Die mir gegenübersitzende Frau Sitzdiebin ebenso. Sie gähnt. Ich gähne. Sie pennt ein paar Minuten. Ich gähne. Sie pennt weiter, ich kann nicht aufhören zu gähnen.
Eins der Riesengepäckstücke meiner Sitzdiebin fällt um. Ich sitze etwas näher daran als Frau Diebin also springe ich auf und bringe ihr Gepäck wieder in die aufrechte Position. Sie bedankt sich.
Als sie in Harburg aussteigt, sagt sie Tschüss, ich ebenso. Geteiltes Langeweile-IC-(oder auch ICE)-Leid schweißt eben zusammen.
Selbst Sitz-Diebe und Sitz-Bestohlene;).
Und jetzt ist er frei.
Mein Platz.
Von Harburg den ganzen Weg bis nach Hamburg Hbf.
Sänk ju foa trävellin wis Deutsche Bahn.